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| Endlich war es mal wieder
so weit! Zum zweiten mal hatten wir die Flexen Hex'n gechartert und uns
in Absprache mit Hans Steiner, dem Eigner und Buchtenbummler auf
einen one-way-Törn
von
Marmaris
nach Kusadasi vorbereitet. Waren wir im vergangenen Jahr nach Süden
abgelaufen und über Rhodos zurück nach Marmaris gesegelt, sollte
es diesmal nach Norden gehen. Das bedeutet im Sommer häufig Winde
direkt auf die Nase, wie wir schon vom ausführlichen Studium der Revierinformationen
auf holidaysailing.de wußten . Da wir mit dem Boot vom Törn im letzten Jahr noch gut vertraut waren, scheute uns auch als kleine Crew (2 Erwachsene und eine 13 jährige, die noch nie gesegelt war) diese Herausforderung nicht.
Und wie erwartet traf uns der Meltemi in erwarteter Stärke. Mittags blies es regelmäßig mit 5 - 6 Beaufort von vorn. Da das Reffen bei der Flexen Hex'n problemlos ist (Rollgenua und Rollgroß), war die notwendige Vorarbeit stets schnell und ohne Risiko vom Cockpit aus getan. Unsere Leichtmatrosin Saskia avancierte im Nu zur Bootsfrau und wusste sehr schnell, was beim Reffen und Wenden zu tun war. Unter Reff lief das Boot bei gut zu ertragender Lage ungefähr 7 Knoten. Unsere maximale Geschwindigkeit maßen wir mit über 8 Knoten, wobei wir zur Schonung des Materials und zur Vermeidung aller Risiken nicht alle Möglichkeiten des Bootes voll ausschöpften. Die Flexen Hex'n ist gewiss keine Rennyacht, das ist aufgrund des Doppelkiel mit Schwert und Doppelruderblatt nicht zu erwarten. Diese Konstruktion ist wattenmeertauglich zum trocken fallen! Die berühmten Fallwinde
erwischten uns erstmals in der Bucht von Knidos. Zwei Anker waren notwendig,
wobei sich der Reserve-Stockanker als sehr handlich und wirkungsvoll erwies.
Zur Vermeidung von Berührungsängsten, ergab es sich schließlich,
dass wir mit einem Engländer, der gut gelaunt seinen Anker fast auf
unserem Kartentisch fallen ließ, im Päckchen lagen.
Der Gökova Körfezi
ist an sich ein lohnendes Segelrevier mit vielen kleinen Buchten. Wir besuchten
einige davon, mussten aber weiter nach Bodrum, um unsereVorräte zu
ergänzen. Hatten wir uns in Marmaris zu knapp versorgt - oder zu viel
gegessen und getrunken?
Wir liefen samstags im Yachthafen
von Bodrum ein und erlebten die erste Überraschung: es gab keine Liegeplätze
mehr in der Marina, da am Wochenende wegen Crewwechsel die Liegeplätze
belegt waren. Also gingen wir südlich vor der Kreuzritterburg zwischen
unzähligen anderen Yachten und Güllets vor Anker. So schön
Bodrum auch sein mag, abends wird die gesamte Bucht zur lauten Arena der
verschiedensten Discos, die z.T. mit Laserstrahlern die Bucht illuminieren. Nach Zwischenstopp in Gümüslük, einer empfehlenswerten Bucht, ging es weiter in den Güllück Körfezi. Hier hatten wir die Kazikli Bucht erwählt. Nur unter Genua ging es mit achterlichen Winden in diese fjordähnliche Bucht. Wir ankerten in der flachen Bucht von Kazikli Iskele mit angehobenem Schwert auf nur zwei Meter Wassertiefe. Die notwendige Landleine wurde an einem alten Wrack festgemacht, so dass wir in Ruhe den Fischern zusehen konnten, die hier in kleinen Hütten am Wasser leben und Fischzuchtanlagen betreiben. Auch bei der geringen Wassertiefe mussten wir wegen der Fallwinde fast die gesamte Kette strecken! Die Faustregel Ankern mit dreifacher Kettenlänge der Wassertiefe gilt hier nicht! Die nächste Überraschung
auf unserem Törn war der geplante Besuch von Pharmakonisi, der griechischen
Insel, auf der Caesar in frühen Jahren gefangen gehalten worden sein
soll. 1993 waren wir bereits einmal auf dieser unbewohnten Insel, die uns
damals recht abenteuerlich anmutete mit ihren wenigen zerfallenen Häusern.
Doch diesmal war alles anders: ein Geländewagen mit drei bewaffneten
griechischen Soldaten erschien in der kleinen Ankerbucht und erklärte,
dass die ganze Insel militärisches Sperrgebiet sei! Auf unseren Karten
(Stand Feb. 2001) und in den üblichen Törnplanern war ein militärisches
Sperrgebiet nicht verzeichnet. Freundlich aber bestimmt - mit Gewehr im
Anschlag - wurden wir zum Verlassen der griechischen Gewässer genötigt.
Als Notanlaufbucht bot sich nur Cukurcuk Limani an, eine sonst nicht unbedingt
zu empfehlende Bucht. Weiter nach Norden ging's
schließlich nach St. Paul bzw. St. Nikolo. Wir bevorzugten St. Nikolo,
da nach dem Küstenführer die nördliche Bucht (St. Paul)
vom Militär besetzt sein sollte. Wir fanden allerdings an dieser Stelle
überhaupt kein Militär, so dass man auch die nördliche Bucht
hätte nutzen können. Auch hier mussten wir mit zwei Ankern die
Flexen Hex'n sichern. Die Bucht ist nicht sehr groß, und da sich
noch andere Yachten hier aufhielten, hieß es Abstand halten. Die
nächtliche Änderung der Windrichtung muß hier berücksichtigt
werden, damit eine evtl. ausgebrachte Landleine nicht zum Hemmnis wird.
Wir bevorzugten daher - wie andere - zu schwojen, wobei die Nacht sehr
unruhig wurde (Fallwinde gemessen mit bis zu 8 Beaufort!).
C W.Repbeck
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